Mobile Personenschutzgeräte – von PRCD-2p bis PRCD‑S pro

Mobi­le Per­so­nen­schutz­ge­rä­te (PRCD) sind orts­ver­än­der­li­che Feh­ler­strom-Schutz­ein­rich­tun­gen, die ins­be­son­de­re auf Bau‑, Mon­ta­ge- und Ein­satz­stel­len eine wirk­sa­me Schutz­maß­nah­me gegen elek­tri­schen Schlag dar­stel­len. Der Bei­trag stellt die nor­ma­ti­ven Grund­la­gen nach DIN VDE 0661 und den ein­schlä­gi­gen DGUV-Infor­ma­tio­nen vor, beschreibt die Ent­wick­lung von PRCD-2p und PRCD-3p über PRCD‑K hin zu PRCD‑S und PRCD‑S pro und beleuch­tet typi­sche Anwen­dungs­gren­zen, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf den Ein­satz mit Schutz­hand­schu­hen und an Strom­erzeu­gern. Abschlie­ßend wer­den die Gerä­te­ty­pen tabel­la­risch gegen­über­ge­stellt und Hin­wei­se zu Prü­fung und Instand­hal­tung gegeben.

Mobi­le Per­so­nen­schutz­ge­rä­te (PRCD) die­nen als zusätz­li­che Schutz­maß­nah­me beim Ein­satz elek­tri­scher Betriebs­mit­tel an Steck­do­sen mit unbe­kann­ter oder nicht veri­fi­zier­ter Schutz­maß­nah­me. Sie kom­bi­nie­ren einen Feh­ler­strom­schutz mit Über­wa­chungs­funk­tio­nen für den Schutz­lei­ter PE und wer­den über­wie­gend als Schnurzwi­schen­ge­rä­te oder in Ver­bin­dung mit Ver­län­ge­rungs­lei­tun­gen und Kabel­trom­meln eingesetzt.

PRCD stel­len ein wich­ti­ges Instru­ment dar, um das Risi­ko von Elek­tro­un­fäl­len auf tem­po­rä­ren Arbeits­plät­zen – etwa auf Bau- und Mon­ta­ge­stel­len oder an Ein­satz­or­ten von Feu­er­weh­ren und Ret­tungs­diens­ten – zu redu­zie­ren. Die tech­ni­sche Ent­wick­lung hat dabei von ein­fa­chen zwei­po­li­gen Gerä­ten hin zu selbst­über­wa­chen­den, DC-feh­ler­strom­sen­si­ti­ven Gerä­ten wie PRCD‑S pro geführt.

Nor­ma­ti­ver und regel­werks­be­zo­ge­ner Rahmen

Die kon­struk­ti­ve Aus­le­gung mobi­ler Per­so­nen­schutz­ge­rä­te erfolgt nach DIN VDE 0661 (EN IEC 61540), die orts­ver­än­der­li­che Feh­ler­strom-Schutz­ein­rich­tun­gen ohne inte­grier­ten Über­strom­schutz für Haus­in­stal­la­tio­nen und ähn­li­che Anwen­dun­gen beschreibt. Im Arbeits­schutz wer­den PRCD durch ver­schie­de­ne DGUV-Regel­wer­ke kon­kre­ti­siert, ins­be­son­de­re durch die DGUV Infor­ma­ti­on 203–006 „Aus­wahl und Betrieb elek­tri­scher Anla­gen und Betriebs­mit­tel auf Bau- und Montagestellen“.

 

Ins­be­son­de­re fol­gen­de Min­dest­an­for­de­run­gen an PRCD sind relevant:

  • Bemes­sungs­dif­fe­renz­strom mA
  • All­po­li­ges Schal­ten ein­schließ­lich Schutz­lei­ter PE
  • Unter­span­nungs­aus­lö­sung mit ver­hin­der­tem auto­ma­ti­schen Wiedereinschalten
  • Ver­hin­de­rung des Ein­schal­tens bei unter­bro­che­nem oder unter Span­nung ste­hen­dem Schutzleiter
  • Abschal­tung, wenn der Schutz­lei­ter PE wäh­rend des Betriebs im spei­sen­den Strom­kreis unter­bro­chen wird
  • Kei­ne Abschal­tung des Schutz­lei­ters PE beim Auf­tre­ten von Fremd­span­nung auf dem Schutz­lei­ter PE, etwa durch Anboh­ren einer frem­den Leitung

Die­se Anfor­de­run­gen stel­len sicher, dass sowohl Feh­ler in ange­schlos­se­nen Betriebs­mit­teln als auch Män­gel der Ein­spei­se­steck­do­se (Anschluss­punkt) in die Schutz­be­trach­tung ein­be­zo­gen werden.

Funk­ti­ons­prin­zip und typi­sche Fehlerbilder

Kern­stück eines PRCD ist der Feh­ler­strom-Sen­sor mit nach­ge­schal­te­ter Aus­lö­se­ein­rich­tung. Bei Dif­fe­renz­strö­men zwi­schen Außenleiter(n) und Neu­t­ral­lei­ter ober­halb des Bemes­sungs­dif­fe­renz­stro­mes wird ein Schalt­me­cha­nis­mus ange­steu­ert, der die Lei­ter all­po­lig abschaltet.

Moder­ne PRCD ergän­zen die­se Basis­funk­ti­on durch Über­wa­chung der Lei­ter­an­ord­nung, Über­wa­chung des Schutz­lei­ter­wi­der­stands, Unter­span­nungs­aus­lö­sung und – bei wei­ter­ent­wi­ckel­ten Vari­an­ten – Erken­nung glat­ter Gleich­feh­ler­strö­me sowie Selbst­über­wa­chung der inter­nen Elektronik.

Adres­sier­te Feh­ler­bil­der sind unter ande­rem Unter­bre­chun­gen des Schutz­lei­ters PE im spei­sen­den Strom­kreis, Ver­drah­tungs­feh­ler wie L/PE-Ver­tau­schung, Feh­ler­strö­me infol­ge von Iso­la­ti­ons­feh­lern im ange­schlos­se­nen Betriebs­mit­tel und Fremd­span­nun­gen auf dem Schutz­lei­ter PE.

Klas­si­sche Gerä­te­ty­pen: PRCD-2p, PRCD-3p und PRCD‑K

PRCD-2p und PRCD-3p

PRCD-2p und PRCD-3p sind klas­si­sche Bau­for­men mobi­ler Per­so­nen­schutz­ge­rä­te. Die Kenn­zeich­nung 2p bzw. 3p beschreibt die Anzahl der geschal­te­ten Lei­ter; PRCD-2p schal­tet Außen­lei­ter L und Neu­t­ral­lei­ter N, wäh­rend der Schutz­lei­ter PE dau­er­haft durch­ver­bun­den bleibt, PRCD-3p schal­tet hin­ge­gen L, N und PE.

PRCD-3p ermög­licht damit eine voll­stän­di­ge all­po­li­ge Tren­nung und ent­spricht stär­ker den heu­ti­gen Anfor­de­run­gen an eine umfas­sen­de Feh­ler­fall­be­herr­schung. Den­noch erfül­len die­se älte­ren Vari­an­ten die Vor­ga­ben der DGUV Infor­ma­ti­on 203–006 nur ein­ge­schränkt und wer­den zuneh­mend von PRCD-S-Gerä­ten abgelöst.

PRCD‑K als Sonderfall

Der PRCD‑K ist kon­struk­tiv einem PRCD-3p ähn­lich, ver­fügt jedoch zusätz­lich über einen span­nungs­ab­hän­gi­gen Wider­stand (Varis­tor) im Schutz­lei­ter­pfad. Hin­ter­grund sind Poten­zi­al­dif­fe­ren­zen zwi­schen Schutz­lei­ter PE der Instal­la­ti­on und leit­fä­hi­ger Umge­bung, die zu Poten­zi­al­aus­gleichs­strö­men füh­ren kön­nen, ohne dass eine berüh­rungs­ge­fähr­li­che Situa­ti­on vorliegt.

Der Varis­tor ver­hält sich bei gerin­gen Span­nungs­dif­fe­ren­zen hoch­oh­mig und begrenzt so den Poten­zi­al­aus­gleichs­strom, um unge­woll­te Aus­lö­sun­gen zu ver­mei­den. Erst bei Errei­chen eines fest­ge­leg­ten Span­nungs­ni­veaus wird der Varis­tor nie­der­oh­mig, so dass der Feh­ler­strom nach­weis­bar wird und der PRCD‑K inner­halb sei­nes Schutz­be­reichs auslöst.

PRCD‑S als eta­blier­ter Standard

PRCD‑S stellt heu­te den eta­blier­ten Stan­dard für mobi­le Per­so­nen­schutz­ge­rä­te auf Bau- und Mon­ta­ge­stel­len sowie in ver­gleich­ba­ren Ein­satz­um­ge­bun­gen dar. Das Gerät erfüllt die Anfor­de­run­gen der DGUV Infor­ma­ti­on 203–006 voll­um­fäng­lich und wird in unter­schied­li­chen Aus­füh­run­gen und Schutz­ar­ten angeboten.

Funk­tio­nal bie­tet PRCD‑S Feh­ler­strom­schutz mit Bemes­sungs­dif­fe­renz­strö­men im Bereich 10 mA oder 30 mA, all­po­li­ges Schal­ten ein­schließ­lich Schutz­lei­ter PE, Unter­span­nungs­aus­lö­sung ohne auto­ma­ti­sches Wie­der­ein­schal­ten sowie Über­wa­chung der Lei­ter­an­ord­nung und des Schutz­lei­ters PE.

Ein­schrän­kung beim Ein­schal­ten mit Handschuhen

Beson­ders zu beach­ten ist die Art der Schutz­lei­ter­prü­fung beim Ein­schal­ten. PRCD‑S nutzt hier­für eine Prüf­lo­gik, bei der die Kopp­lung über die Bedien­per­son eine Rol­le spielt; daher darf die Ein­schalt­tas­te nicht mit elek­trisch iso­lie­ren­den Hand­schu­hen betä­tigt werden.

Für vie­le Bau­stel­len­si­tua­tio­nen ist dies orga­ni­sa­to­risch beherrsch­bar. In Berei­chen, in denen das Tra­gen von Schutz­hand­schu­hen zwin­gend erfor­der­lich ist (z.B. Feu­er­wehr­we­sen), stellt die­se Ein­schrän­kung jedoch einen deut­li­chen Pra­xis­nach­teil dar.

PRCD‑S pro – erwei­ter­te Funk­tio­nen für den Ein­satz an Steckdosen

PRCD‑S pro ist die Wei­ter­ent­wick­lung des PRCD‑S und rich­tet sich an Anwen­dun­gen mit erhöh­tem Schutz­ni­veau an Steck­do­sen der Gebäu­de­instal­la­ti­on. Das Gerät ist für den Anschluss an Steck­do­sen mit Schutz­lei­ter PE vor­ge­se­hen und nicht für den direk­ten Ein­satz an Strom­erzeu­gern bestimmt. Dies gilt im übri­gen auch für PRCD‑S.

Wesent­li­che zusätz­li­che Funk­tio­nen sind die Güte­prü­fung des Schutz­lei­ters mit Frei­ga­be nur bei Schutz­lei­ter­wi­der­stand  kΩ, die Erken­nung glat­ter Gleich­feh­ler­strö­me ab 6 mA bei ent­spre­chen­den Gerä­te­ty­pen, die siche­re Bedien­bar­keit mit Schutz­hand­schu­hen, die Selbst­über­wa­chung des Feh­ler­strom­krei­ses und der Schalt­kon­tak­te sowie eine LED-gestütz­te Zustands- und Fehleranzeige.

PRCD‑S pro eig­net sich damit beson­ders für Ein­satz­kräf­te und anspruchs­vol­le Bau- und Mon­ta­ge­ein­sät­ze, bei denen Schutz­hand­schu­he getra­gen wer­den müs­sen und zugleich ein hohes Schutz­ni­veau gegen Instal­la­ti­ons­feh­ler sowie Feh­ler­strö­me gefor­dert ist.

Strom­erzeu­ger – kurz für die Praxis

Beim Ein­satz von Strom­erzeu­gern sind die Vor­ga­ben der DGUV Infor­ma­ti­on 203–032 zu beach­ten, ins­be­son­de­re bei meh­re­ren ange­schlos­se­nen Betriebs­mit­teln. Hier kom­men spe­zi­ell dafür aus­ge­leg­te Gerä­te wie PRCD‑K zum Einsatz.

Prü­fung und Instandhaltung

PRCD sind orts­ver­än­der­li­che elek­tri­sche Arbeits­mit­tel und unter­lie­gen der wie­der­keh­ren­den Prü­fung nach VDE 0702 in Ver­bin­dung mit der Gefähr­dungs­be­ur­tei­lung und den Vor­ga­ben der DGUV Infor­ma­ti­on 203–006. Prüf­um­fang und Prüf­in­ter­val­le sind an Ein­satz­be­din­gun­gen, Umge­bungs­be­din­gun­gen und das Bean­spru­chungs­pro­fil anzupassen.

Typi­sche Prü­fun­gen umfas­sen die Sicht­prü­fung, die Mes­sung des Schutz­lei­ter­wi­der­stands, die Funk­ti­ons­prü­fung der Unter­span­nungs­aus­lö­sung, die Prü­fung des Aus­lö­se­ver­hal­tens bei Feh­ler­strom sowie bei PRCD‑S pro die Über­prü­fung der spe­zi­fi­schen Selbst­über­wa­chungs- und Anzei­ge­funk­tio­nen nach Her­stel­ler­an­ga­ben (sie­he www.kopp.eu „Wie­der­ho­lungs­prü­fun­gen für PRCD“).

Gerä­te­ty­pen im Überblick

Gerä­te­typ Geschal­te­te Leiter Typi­scher Feh­ler­strom­typ / IΔn Schutz­lei­ter-Funk­ti­on Beson­de­re Merkmale Typi­sche Einsatzfelder
PRCD-2p L, N Typ A,
meist 30 mA
PE dau­er­haft durchverbunden Älte­re Bau­form, kei­ne all­po­li­ge Ab-schal­tung inkl. PE His­to­ri­sche Anwen­dun­gen, heu­te selten
PRCD-3p L, N, PE Typ A,
meist 30 mA
All­po­li­ge Ab-schal­tung inkl. PE Ver­bes­ser­ter Schutz gegen­über PRCD-2p All­ge­mei­ne mobi­le Anwendungen
PRCD‑K L, N, PE Typ A, meist 30 mA [cite:24] PE-Pfad mit Varis­tor für beson­de­re Potenzial-verhältnisse Für Anwen­dun­gen mit Poten­zi­al-dif­fe­ren­zen am Schutz­lei­ter PE Strom­erzeu­ger, Tauch­pum­pen, Feuerwehr
PRCD‑S L, N, PE Typ A, 10 mA oder 30 mA Über­wa­chung von PE und Leiter-anordnung Erfüllt DGUV 203–006, Ein­schal­ten ohne Handschuhe Bau- und Mon­ta­ge­stel­len, Handwerk
PRCD‑S pro L, N, PE Typ A mit DC-Erkennung
6 mA je nach Typ
Güte­prü­fung  kΩ, erwei­ter­te Überwachung Selbst-über­wa­chung, Hand­schuh-Eig­nung, LED-Statusanzeige Steck­do­sen der Gebäu­de-instal­la­ti­on, Ein­satz­kräf­te, anspruchs­vol­le Anwendungen

Fazit

Die Ent­wick­lung mobi­ler Per­so­nen­schutz­ge­rä­te folgt der zuneh­men­den Kom­ple­xi­tät elek­tri­scher Anla­gen und Betriebs­mit­tel, ins­be­son­de­re im Hin­blick auf nicht­li­nea­re Ver­brau­cher und glat­te Gleich­feh­ler­strö­me. Für Anwe­der bedeu­tet dies, bei Aus­wahl, Ein­satz und Prü­fung von PRCD sowohl die nor­ma­ti­ven Anfor­de­run­gen als auch die kon­kre­ten Ein­satz­be­din­gun­gen – etwa Hand­schuh­pflicht, Umge­bungs­be­din­gun­gen und bestim­mungs­ge­mä­ßen Gebrauch – sys­te­ma­tisch zu berücksichtigen.