Schutz vor Stromunfällen am Einsatzort – mit dem PRCD‑S pro von Kopp

Schutz vor Stromunfällen am Einsatzort – mit dem PRCD‑S pro von Kopp

Bei vie­len Feu­er­wehr­ein­sät­zen kommt es auf jede Sekun­de an – häu­fig geht es sogar um Leben und Tod. Zumin­dest gilt es aber, Sach­wer­te zu schüt­zen und zu ret­ten. Ist dann der Ein­satz elek­trisch betrie­be­ner Gerä­te nötig, müs­sen die­se ein­fach, schnell und sicher zu hand­ha­ben sein. Denn auch die Ein­satz­kräf­te selbst müs­sen geschützt wer­den, daher sind viel­fach mobi­le Per­so­nen­schutz­ge­rä­te (PRCD‑S) ver­pflich­tend. Über deren Anwen­dung im Ein­satz spre­chen wir heu­te mit Alex­an­der Reuß, Kom­man­dant bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr in Kahl am Main, und Dirk Eber­lein, Pro­dukt­ma­na­ger bei Kopp, im Interview.

Herr Eber­lein, was ist eine Feh­ler­strom-Schutz­ein­rich­tung und wozu dient sie?

Wie der Name schon sagt, han­delt es sich um eine Schutz­ein­rich­tung, genau­er gesagt um eine Per­so­nen­schutz­ein­rich­tung. Wir schüt­zen damit den Anwen­der eines elek­tri­schen Betriebs­mit­tels vor einem – im extre­men Fall töd­li­chen – Feh­ler­strom. Ein sol­cher elek­tri­scher Strom fließt zum Bei­spiel auf­grund eines Iso­la­ti­ons­feh­lers über eine gege­be­ne Feh­ler­stel­le. Wird eine sol­che Feh­ler­stel­le bzw. ein feh­ler­haf­tes Gerät durch einen Nut­zer berührt, fließt der Feh­ler­strom über die­se Per­son. Und das kann zu den ein­gangs genann­ten Elek­troun­fäl­len führen.

Kopp bie­tet in dem Rah­men das Pro­dukt „PRCD‑S“ an. Was hat es damit auf sich?

PRCD‑S steht für „Por­ta­ble Resi­du­al Cur­rent Device – Safe­ty“ und bedeu­tet über­setzt „ortver­än­der­li­che Feh­ler­strom-Schutz­ein­rich­tung“. Statt „orts­ver­än­der­lich“ hat sich auch der Begriff „mobil“ ein­ge­bür­gert. Das ken­nen wir von zu Hau­se in Form eines „FI-Schutz­schal­ters“, wie er zum Bei­spiel in einem Siche­rungs­kas­ten ver­baut ist. In unse­rem Fall aber eben orts­ver­än­der­lich bzw. mobil und – im Ver­gleich zum FI-Schutz­schal­ter zu Hau­se – mit zusätz­li­chen Funk­tio­nen aus­ge­stat­tet. Ein PRCD‑S ist in einer Ver­län­ge­rung zwi­schen einer Steck­do­se und einem elek­tri­schen Betriebs­mit­tel ver­baut. Sowohl der FI-Schutz­schal­ter als auch eine mobi­le Feh­ler­strom-Schutz­ein­rich­tung PRCD‑S lösen im Feh­ler­fall aus. Ein­fach aus­ge­drückt, tren­nen sie dann den Strom­kreis und schüt­zen so vor Elektrounfällen.

Herr Reuß, wann muss bei Feu­er­wehr­ein­sät­zen ein mobi­les Per­so­nen­schutz­ge­rät ver­wen­det werden?

Ein mobi­les Per­so­nen­schutz­ge­rät kommt immer dann ins Spiel, wenn im Ein­satz­fall nicht auf den eige­nen Strom­erzeu­ger zurück­ge­grif­fen wer­den kann. Neh­men wir zum Bei­spiel fol­gen­des Sze­na­rio: Es gilt, einen voll­ge­lau­fe­nen Kel­ler, eine Tief­ga­ra­ge oder eine ähn­li­che Ein­rich­tung nach Was­ser­ein­tritt aus­zu­pum­pen. Je nach Ein­satz­be­din­gun­gen ist es in die­sem Fall nicht nötig, die Mann­schaft mit kom­plet­ter Aus­rüs­tung vor Ort zu hal­ten und damit an die­sen Ein­satz zu bin­den. Güns­ti­ger ist es, dort eine oder meh­re­re Pum­pen zu belas­sen und so schnellst­mög­lich wie­der vol­le Ein­satz­stär­ke her­zu­stel­len. Die dann noch vor Ort befind­li­chen Pum­pen wer­den an den ganz nor­ma­len Haus­steck­do­sen betrie­ben. Da wir den Zustand die­ser Steck­do­sen nicht ken­nen und deren Sicher­heit nicht über­prü­fen kön­nen, ist der Ein­satz eines mobi­len Per­so­nen­schutz­ge­rä­tes zwin­gend erfor­der­lich. Die­ses wird zwi­schen Steck­do­se und – in dem Fall – der Pum­pe betrie­ben. Ein PRCD‑S schützt aber nicht nur vor Elek­troun­fäl­len, son­dern prüft auch, ob die Steck­do­se frei von Instal­la­ti­ons­feh­lern ist.

Wel­che Anfor­de­run­gen wer­den an ein sol­ches Gerät in der Feu­er­wehr­pra­xis gestellt?

Die­se Fra­ge lässt sich sehr ein­fach und in einem Satz beant­wor­ten: Ein sol­ches Gerät muss alle rele­van­ten Nor­men und Vor­schrif­ten erfül­len bzw. im Ein­satz schnell, sicher und intui­tiv zu bedie­nen sein. Dass es für die am Ein­satz­ort häu­fig anzu­tref­fen­den Bedin­gun­gen aus­ge­legt sein muss, ver­steht sich von selbst – das ist aber in den genann­ten Nor­men und Vor­schrif­ten auch defi­niert und festgelegt.

Herr Eber­lein, wel­che mobi­le Per­so­nen­schutz­ein­rich­tung bie­tet sich unter die­sen Vor­aus­set­zun­gen für den Feu­er­wehr­ein­satz beson­ders an?

Hier möch­te ich die Gele­gen­heit nut­zen, um unse­ren neu­es­ten „Spross“ in der Kopp-Fami­lie vor­zu­stel­len – den PRCD‑S pro. Bevor ich aber auf die­ses neue Gerät näher ein­ge­he, ein kur­zer Über­blick über die Gerä­te am Markt und die Pro­ble­me, auf die Ein­satz­kräf­te damit sto­ßen: His­to­risch betrach­tet begann alles mit dem drei­po­li­gen PRCD. Basie­rend auf die­sem Gerät wur­de der PRCD‑K ent­wi­ckelt. Die­ser ver­hin­dert unge­woll­tes Aus­lö­sen auf­grund von soge­nann­ten Poten­ti­al­aus­gleich­strö­men, wenn z.B. Pum­pen an den erwähn­ten Haus­steck­do­sen betrie­ben wer­den. Bei­de genann­ten Gerä­te über­prü­fen eine Steck­do­se aber nicht auf Feh­ler­frei­heit. Das macht nur der bekann­te PRCD‑S, der sich nur dann ein­schal­ten lässt, wenn etwa die Steck­do­se rich­tig ange­schlos­sen und wenn der Schutz­lei­ter­kon­takt span­nungs­frei ist. Die­se Prü­fung erfolgt beim Ein­schalt­vor­gang. Dazu muss das Gerät aber ohne Hand­schuh bedient wer­den, um mög­li­che Feh­ler zu erken­nen. Und genau hier liegt das Pro­blem für die Ein­satz­kräf­te: Die DGUV Vor­schrift 49 für Feu­er­weh­ren besagt, dass im Ein­satz Hand­schu­he zu tra­gen sind. Die Bedien­vor­schrift für den PRCD‑S for­dert aller­dings ein Ein­schal­ten ohne Hand­schu­he. Klei­ne Notiz am Ran­de: Es gibt ein Gerät eines Mitt­be­wer­bers, wel­ches das Tra­gen eines Hand­schuhs erkennt – und sich dann nicht ein­schal­ten lässt. Die Ein­satz­kraft ist also auch bei die­sem Gerät gezwun­gen, den Hand­schuh auszuziehen.

Der neue PRCD‑S pro von Kopp

Und genau hier schafft der PRCD‑S pro von Kopp Abhilfe?

Genau, hier kommt der neue PRCD‑S pro ins Spiel. Er kann sowohl mit also auch ohne Hand­schu­he sicher bedient und ein­ge­schal­tet wer­den. Auch beim Tra­gen von Hand­schu­hen erkennt das Gerät sicher, ob der Schutz­lei­ter span­nungs­frei ist, und lässt sich nur in die­sem Fall ein­schal­ten. Bei der Ent­wick­lung haben wir dar­auf geach­tet, dass sowohl die dün­nen THL-Schutz­hand­schu­he als auch die dicken Feu­er­wehr-Hand­schu­he getra­gen wer­den können.
Ein wei­te­res wich­ti­ges Merk­mal des PRCD‑S pro ist, dass die­ses Gerät selbst­über­wa­chend ist. Beim Vor­gän­ger­mo­dell PRCD‑S muss in regel­mä­ßi­gen Abstän­den die soge­nann­ten Test-Tas­te betä­tigt wer­den. Der PRCD‑S pro führt peri­odisch einen Selbst­test des Feh­ler­strom­krei­ses durch und prüft die Relais­kon­tak­te bei jedem Ein- und Aus­schalt­vor­gang auf ord­nungs­ge­mä­ßes Schlie­ßen und Öff­nen der Kon­tak­te. Dar­über hin­aus sei noch die Güte­be­stim­mung des Schutz­lei­ters erwähnt. Der PRCD‑S pro prüft also nicht nur, ob der Schutz­lei­ter vor­han­den ist, son­dern auch des­sen Güte. Er lässt sich nur dann ein­schal­ten, wenn der Wider­stands­wert unter 1,6 kΩ liegt. Übri­gens hat das Euro­päi­sche Patent­amt auf wich­ti­ge Funk­tio­nen des
PRCD‑S pro von Kopp ein Patent erteilt – das macht uns stolz und bie­tet den Ein­satz­kräf­ten ein Mehr an Sicherheit.

Herr Reuß, haben Sie bei der Kah­ler Feu­er­wehr bereits den PRCD‑S pro im Einsatz?

Noch nicht. Aber die Fir­ma Kopp wird uns in den nächs­ten Tagen ein Mus­ter­ge­rät zur Ver­fü­gung stel­len. Die­ses wer­den wir unter Ein­satz­be­din­gun­gen auf Herz und Nie­ren prü­fen. Dann aber hof­fent­lich nur im Rah­men von Übungen.

Über Alex­an­der Reuß:

Alex­an­der Reuß stieg 1998 bei der Frei­wil­li­gen Feu­er­wehr Kahl am Main ein und ist seit 2006 Füh­rungs­kraft im Ein­satz­dienst und seit 2018 Kom­man­dant. 2019 wur­de er zudem als haupt­amt­li­cher Gerä­te­wart bei der Gemein­de Kahl am Main angestellt.

Über Dirk Eberlein:

Dirk Eber­lein ist Pro­dukt­ma­na­ger und seit Janu­ar 2018 bei Kopp angestellt.
Davor war er 20 Jah­re im Bereich Mess­tech­nik als Pro­dukt­ma­na­ger tätig.