Runter von der Bremse – Ausbau von Photovoltaik im Gewerbe jetzt stärken!

Aktu­el­le The­men, span­nen­de Trends und star­ke Mei­nun­gen: Ste­phan Dörr­schuck, CEO von Kopp, gibt Ihnen mit sei­ner Kolum­ne „Dörr­schucks Noti­zen“ jeden Monat exklu­si­ve Ein­bli­cke in das Herz der Elek­tro­bran­che. Sein The­ma heu­te: Pho­to­vol­ta­ik muss stär­ker in den Fokus rücken.

„Solar­an­la­gen in der Zer­ti­fi­zie­rungs­fal­le“ titel­te Ende letz­ten Jah­res die Tages­schau und berich­te­te über unzäh­li­ge fer­tig instal­lier­te, aber unge­nutz­te Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen in Deutsch­land, die auf­grund büro­kra­ti­scher Hür­den nicht ans Netz gehen kön­nen. Geän­dert hat sich seit­dem – nichts?? Heißt kon­kret: Bis zu einem Jahr schlum­mert vor allem auf gewerb­li­chen Dächern eine gigan­ti­sche Men­ge an nach­hal­tig pro­du­zier­ter, lei­der unge­nutz­ter Ener­gie. Dass der drin­gend benö­tig­te grü­ne Strom auf­grund lang­wie­ri­ger Zer­ti­fi­zie­rungs­pro­zes­se nicht ans Netz kommt, gleicht einem Skan­dal. Gleich­zei­tig sind sich jedoch vie­le Unter­neh­mer ihrer Ver­ant­wor­tung, etwas zu ändern, sowie des Poten­zi­als aut­ar­ker Ener­gie­ge­win­nung nicht bewusst. Wor­an das liegt? Viel­leicht an man­geln­der media­ler Auf­merk­sam­keit für das The­ma? Klar ist: Es wird drin­gend Zeit, dass Poli­tik, Kom­mu­nen und Unter­neh­men beim The­ma Pho­to­vol­ta­ik (PV) an einem Strang zie­hen und sich aktiv und inten­siv für einen straf­fen Aus­bau von Solar­ener­gie einsetzen!

Büro­kra­ti­sche Pro­zes­se verschlanken
Eine PV-Anla­ge zu instal­lie­ren ist ein Kin­der­spiel. Sie ans Netz zu brin­gen, eher eine Mam­mut­auf­ga­be. Schuld dar­an sind vor allem 2020 in Kraft getre­te­ne, auf­wän­di­ge­re und noch stren­ger regle­men­tier­te Zer­ti­fi­zie­rungs­ver­fah­ren, die schon ab einer Ener­gie­leis­tung von 135 Kilo­watt gel­ten, statt wie bis­her ab einem Mega­watt. Damit sind nun auch zahl­rei­che klei­ne­re Betrei­ber betrof­fen. Der Super-Gau: Auch vie­le bereits instal­lier­te PV-Modu­le dür­fen erst ans Netz gehen, wenn die neu gefor­der­ten Zer­ti­fi­ka­te nach­ge­reicht wer­den. Das über­las­tet Solar­teu­re auf der einen, Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len auf der ande­ren Sei­te. Wir erle­ben einen regel­rech­ten Zer­ti­fi­zie­rungs­stau, der vie­le zu Geduld zwingt, vie­le aber auch direkt abschreckt: Der Zubau von Solar­ener­gie im gewerb­li­chen Bereich ist zuletzt deut­lich zurück­ge­gan­gen. Allein die zuneh­men­de Nach­fra­ge im Bereich Resi­den­ti­al und Lar­ge-Sca­le-PV treibt die Zah­len der Neu­in­stal­la­tio­nen in Deutsch­land nach oben.

Zu vie­le unge­nutz­te Flächen
Ein wei­te­res Pro­blem sind die vie­len unge­nutz­ten Flä­chen von Gewer­be­trei­ben­den. Nicht ein­mal 15 % der instal­lier­ten Anla­gen­leis­tung in Deutsch­land gehen auf sie zurück. Dabei müss­ten es weit mehr sein, denn der Platz für Pho­to­vol­ta­ik­an­la­gen ist defi­ni­tiv vor­han­den. Ins­be­son­de­re vie­le Klein­un­ter­neh­mer wis­sen einer­seits gar nicht um das Poten­zi­al ihrer Gara­gen, Lager­räu­me oder Pro­duk­ti­ons­hal­len. Ande­rer­seits ver­bin­den sie mit der Anschaf­fung irr­tüm­li­cher­wei­se einen zu hohen Instal­la­ti­ons- und War­tungs­auf­wand. Dabei ist die Tech­no­lo­gie mitt­ler­wei­le so weit, dass sie – ein­mal in Betrieb genom­men – von ganz allei­ne läuft. Wer auf kom­pe­ten­te Anbie­ter setzt, hat also kaum Arbeit. Im Gegen­teil: Die Unab­hän­gig­keit vom vola­ti­len Ener­gie­markt und die Erspar­nis über­stei­gen bereits nach kur­zer Zeit Auf­wand und Kos­ten der Instal­la­ti­on. Hin­zu kom­men unter­neh­me­ri­sche Chan­cen auf Basis des fort­schritt­li­chen, nach­hal­ti­gen Enga­ge­ments, etwa die Umstel­lung auf E‑Mobilität oder eine stär­ke­re Kundenbindung.

Lösun­gen fin­den – und zwar schnell!
Was also tun? Wenn in Deutsch­land die Wirt­schaft und die Ener­gie­wen­de unter­stützt wer­den sol­len, müs­sen Poli­tik, Gemein­den und Unter­neh­men das The­ma Pho­to­vol­ta­ik schnellst­mög­lich stär­ker in den Fokus rücken. Schließ­lich gilt es nicht nur, sich von fos­si­len Ener­gie­trä­gern zu lösen, son­dern auch, sich auf die zuneh­men­de Elek­tri­sie­rung durch E‑Autos und Co. vor­zu­be­rei­ten. Wir, die Wirt­schaft, brau­chen mehr grü­nen Strom und über­ge­ord­ne­te Insti­tu­tio­nen müs­sen den Weg dafür ebnen, indem:

  • sie mehr Auf­klä­rungs­ar­beit leis­ten, um Gewer­be­trei­ben­den einen Zugang zu Solar­ener­gie zu verschaffen,
  • sie büro­kra­ti­sche Hür­den abbau­en und den Aus­bau von bei­spiels­wei­se Zer­ti­fi­zie­rungs­stel­len forcieren,
  • kom­mu­na­le Ener­gie­ver­sor­ger ihre wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen zuguns­ten von Kli­ma- und Umwelt­schutz zurück­stel­len und um Gewer­be­trei­ben­de in kos­ten­in­ten­si­ven Zei­ten zu unter­stüt­zen (Stich­wort Zertifizierungsverschleppung),
  • sie die Attrak­ti­vi­tät für Jobs in der Solar­bran­che stei­gern! Denn nur mit ent­spre­chen­dem Per­so­nal kann der Aus­bau von Pho­to­vol­ta­ik auch wirk­lich gelingen.

Es liegt an uns allen, die Welt bes­ser zu machen – in der aktu­el­len Situa­ti­on mehr denn je.

Damit wün­sche ich Ihnen viel Ener­gie in die­sen kräf­te­zeh­ren­den Zeiten!

Ihr Ste­phan Dörrschuck