Hallo Herr Hornung,

Sie sind CFO bei Kopp und das Thema Industrie 4.0 gewinnt für Unternehmen in der heutigen Zeit immer mehr an Bedeutung und ist ein wichtiger Bestandteil um längerfristig auf internationalen Märkten konkurrenzfähig zu bleiben.

Die erste industrielle Revolution bestand in der Mechanisierung mit Wasser- und Dampfkraft. Anschließend folgte die zweite industrielle Revolution in welcher die Massenproduktion mit der Nutzung von Fließbändern und Elektrizität möglich wurde. Danach wurde die dritte industrielle oder auch digitale Revolution eingeleitet. Nach Einführung von Elektronik und IT war es nun möglich Produktionen komplett zu automatisieren. Heute sprechen wir von einer vierten industriellen Revolution – Industrie 4.0.

Das Ziel ist es IT mit Produktionstechnologien zu verbinden um dadurch noch effizienter innovative Produkte und Leistungen produzieren zu können. Intelligente und digital vernetzte Systeme sind die technische Grundlage hierfür. Menschen, Maschinen, Anlagen, Logistik und Produkte kommunizieren in der Industrie 4.0 direkt miteinander. Am Ende soll eine selbstorganisierte Produktion möglich werden, in welcher jedes Organ komplett autonom miteinander interagiert.

Welche Herausforderungen sehen Sie in der Industrie 4.0?

Ich sehe Industrie 4.0 für Kopp vor allem als Chance.
Durch neue technologische und „smarte“ Möglichkeiten können wir es schaffen mit einem relativ geringen Aufwand gute Produktivitätsverbesserungen in vielen Bereichen zu erreichen. Kopp wird in den nächsten Jahren wachsen. Durch smarte Maschinen und Applikationen können wir zum einen flankierend durch effizientere Prozesse das Wachstum unterstützen und zum anderen die Kolleginnen und Kollegen konkret in den Arbeitsabläufen entlasten. Grundsätzlich gilt auch hier der Spruch „die einzige Konstante ist der Wandel“. Wir alle bei Kopp sollten für die neuen Technologien offen sein und diese für unsere Firma proaktiv und bestmöglich nutzen.

Was unternimmt Kopp um Produktions- und Entwicklungsprozesse zu optimieren?

Grundsätzlich sind wir alle bei Kopp tagtäglich dabei Abläufe und Prozesse zu hinterfragen, um diese noch besser und effizienter zu gestalten. Wir als GF schauen uns die Fortschritte durch unser KVP-Programm auch permanent an.

Welche Investitionen sind am Hauptproduktionsstandort Kahl am Main geplant? (Umgestaltung Entwicklungszentrum, Prüfsysteme etc.)

In den letzten beiden Jahren haben wir pro Jahr sicher signifikant mehr investiert wie in den letzten zehn Jahren zuvor. Als Beispiele sind der neue Stanz-Biege-Automat, die neuen Spritzgussmaschinen, der neue Schulungsraum oder die Umgestaltung des Entwicklungszentrums zu nennen. Ein Investitions-Schwerpunkt in den nächsten Jahren werden sicher neue Werkzeuge und Maschinen für neue Produkte sein. Stück für Stück werden wir auch in die Erhaltung und Verbesserung der Gebäudeinfrastruktur und in die Optimierung von Logistikabläufen investieren müssen. „Last but not least“ werden Investitionen in die Menschen bei Kopp für Weiterbildung und auch Gesundheitsmanagement fließen.

Deshalb hat Kopp an der Veranstaltung „Industrie 4.0 Bayern – Produktion und Geschäftsmodelle von morgen“ teilgenommen. Hier trafen sich Bayerische mittelständische Unternehmen aus der Region Unterfranken um sich gemeinsam auszutauschen und Impulse zu setzen.

Können Sie uns einen kurzen Einblick in die Veranstaltung geben?

Kopp ist zusammen mit der Hilfe und Moderation des VDMA Bayern der Initiator des sog. Digitalisierungsstammtisches. Bisher fanden zwei Treffen mit mittelständischen Unternehmen zwischen Würzburg und Darmstadt statt. Ziel ist ein offener Erfahrungsaustausch zum Thema Industrie 4.0, um so voneinander um diesen Themenkreis lernen zu können. Flankierend werden durch das Netzwerk des VDMA Startups und wissenschaftliche Institute eingeladen, die durch Impulsvorträge zusätzliche Ideen und Themen mit in die Diskussion bringen.

Über welche Themen wurde gesprochen?

Beim ersten Termin hatte erst einmal jeder Firmenvertreter vom jeweiligen Status Quo bzgl. Industrie 4.0 berichtet und seine Firma vorgestellt und dargestellt wie Digitalisierung für das eigene Unternehmen genutzt werden könnte. Außerdem konnten wir zwei interessante Startups kennenlernen, die z.B. eine pragmatische Produktivitätsmessung von Produktionsmaschinen mit digitaler Technik einführen und zum anderen dem Einkäufer durch das Nutzen einer Software mittels intelligenter Suchalgorithmen via Internet neue Lieferanten erschließt.

Was konnten Sie aus dem Treffen mitnehmen?

Dass wir bei Kopp beim Thema Digitalisierung bzw. Industrie 4.0 im guten Mittelfeld liegen, es aber noch vielfältige Möglichkeiten gibt noch mehr Nutzen daraus zu ziehen.

Welche Impulse wurden gesetzt?

Wir sind z.B. gerade dabei die o.g. Produktivitätsmessung bei uns im Werk zu testen.

Beenden Sie folgenden Satz: Industrie 4.0 bedeutet für mich…?

ein großes Spektrum an Möglichkeiten interne Prozesse bei Kopp durch neue digitale Technologien zu verbessern aber auch durch neue und „smarte“ Produkte zusätzliche Marktpotentiale zu erschließen.